Missachtete Menschenrechte
Opferverbände und die Legitimation eugenischer Gewalt in der frühen Bundesrepublik
Abstract
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs forderten Überlebende individuell und ab 1950 kollektiv die Anerkennung der Zwangssterilisationen und »Euthanasie« als NS-spezifisches Unrecht. Ihre Entschädigungsansprüche begründeten sie mit der Verletzung ihrer Menschenrechte. Diese Studie untersucht, wie Überlebende nach Anerkennung strebten und wie dies mithilfe der Konstruktion der »Erbkranken« abgewehrt wurde. Anhand der ersten Opferverbände und unter Berücksichtigung verfolgter Gehörloser zeigt Ulrika Mientus die Grenzen ihrer Handlungs- und Deutungsmacht in der Entschädigungsdiskussion, in der unterschiedliches Wissen über die Verbrechen und Betroffenen zirkulierte und um Durchsetzung konkurrierte. Indem sie die Betroffenen in den Fokus rückt, dekonstruiert sie hegemoniale Deutungsmuster und arbeitet Handlungsspielräume heraus. So wird deutlich, dass die verweigerte Anerkennung eine wiederholt getroffene, aber keineswegs alternativlose Entscheidung war. Das Buch leistet damit einen Beitrag zur Geschichte der nicht-anerkannten NS-Verfolgten in der frühen Bundesrepublik sowie zur Historisierung von Gewalt, Opferschaft und Menschenrechten nach 1945. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Keywords
Nationalsozialismus; Bundesrepublik Deutschland; Gehörlose; Zeitgeschichte; Anerkennung; Behinderte; Disability History; Euthanasie; Geschichte; NS; NS-Verfolgte; Open Access; Opfer; Überlebende; ZwangssterilisationenDOI
10.12907/978-3-593-46396-4ISBN
9783593463964, 9783593463964Publisher
Beltz JuventaPublisher website
https://www.beltz.de/fachmedien/juventa.htmlPublication date and place
Weinheim, 2026Series
Zeitgeschichte, 5Classification
History of medicine
Social groups, communities and identities


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